Die wichtigsten sozialpolitischen Änderungen
der letzten Gesetzgebungsperiode im Überblick
Wirtschaftskammer
pro-aktiv
September 2002
Betriebliche Mitarbeitervorsorge statt
Abfertigung
- Beitragsorientiertes statt
leistungsorientiertes System
- Niedriger Beitragssatz von 1,53 %;
gesetzlich normiert
- Erster Monat beitragsfrei
- Keine Auszahlung bei Selbstkündigung
- Anspruch des Arbeitnehmers richtet
sich nicht mehr gegen den Arbeitgeber
- Vermeidung des Insolvenzrisikos
- Zukunftsvorsorge auch für Unternehmer
Angleichung Arbeiter / Angestellte mit
vielen Ausgleichsmaßnahmen
- Verlängerung der Entgeltfortzahlung für
Arbeiter durch Angleichung an die Angestellten
- Auflösung des Entgeltfortzahlungs-Erstattungsfonds
bei Wegfall des EFZG-Beitrages
Als Ausgleichsmaßnahmen dazu:
- Urlaubsaliquotierung bei Beendigung
des Dienstverhältnisses
- Entfall des Postensuchtages bei
Selbstkündigung
- Senkung des Arbeitgeber-Krankenversicherungsbeitrags
für Arbeiter um 0,3 %
- Verlängerung der Anwartschaftswochen
im Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungsgesetz von 46 auf
47
Entgeltfortzahlungszuschuss nach
Freizeit- und Arbeitsunfall
- Für Unternehmen, die weniger als 51
Dienstnehmer beschäftigen
- 50 % Zuschuss bei Entgeltfortzahlung
nach Freizeit- und Arbeitsunfall aus den Überschüssen
der Unfallversicherung
- Zuschuss ab dem ersten Tag der
Entgeltfortzahlung bis höchstens sechs Wochen je
Arbeitsjahr (Kalenderjahr)
Arbeitnehmerschutz-Reform: Beratung
statt Strafe
- Statt starrer Mindesteinsatzzeiten
differenziertes Modell je nach Gefährdung
- Flexible Verteilung der Präventionszeit
durch den Dienstgeber
- Arbeitsinspektorate: Beratung statt
Strafe
- Anmeldung von Kontrollen wo sinnvoll
- Bürokratische Erleichterungen für
die Betriebe
Nachtarbeitsregelung an EU angepasst
- Entfall Frauennachtarbeitsverbot
- Geschlechtsneutrale
Nachtarbeitsregelung im Arbeitszeitgesetz nach EU-Vorgaben
- Keine zusätzlichen Kosten durch
Arbeitszeitzuschläge
- Versetzungsanspruch auf einen
Tagesarbeitsplatz nach den betrieblichen Möglichkeiten
Kinderbetreuungsgeld als
Familienleistung
- Kinderbetreuungsgeld für alle; auch für
Unternehmer, bis zu 36 Monaten
- Beschäftigung während der Karenz für
höchstens 13 Wochen pro Kalenderjahr
- Keine Ausweitung des besonderen Kündigungs-
und Entlassungsschutzes
- Nimmt ein Elternteil eine Karenz im
Anschluss an eine Karenz des anderen Elternteils in
Anspruch, beginnt der Kündigungs- und Entlassungsschutz
grundsätzlich mit Bekanntgabe, frühestens jedoch vier
Monate vor Antritt der Karenz.
Lehrlinge: vielfache Entlastung für die
Betriebe
- Verlängerung der Probezeit von zwei
auf drei Monate
- Verkürzung der Behaltezeit von vier
auf drei Monate
- Beschäftigung im Gastgewerbe von 22.00
Uhr auf 23.00 Uhr erweitert
- Keine Krankenversicherungsbeiträge in
den ersten beiden Lehrjahren
- Kein Unfallversicherungsbeitrag für
die gesamte Lehrzeit
- Kein Insolvenzentgeltsicherungsbeitrag
für Lehrlinge
- 1.000,- pro Lehrling und Jahr
Lehrlingsausbildungsprämie
- Verlängerung und Ausweitung des
Jugendausbildungssicherungsgesetzes
- Lehrlings- und Schülerfreifahrt für
Internatsbesucher
Behinderte: Beschäftigung gefördert
- Verlängerung der Probezeit von drei
auf sechs Monate
- Anhebung der Ausgleichstaxe
Arbeitskräfteüberlassung,
Arbeitsvermittlung
- Entfall des Verbots der gleichzeitigen
Ausübung der Arbeitskräfteüberlassung und
Arbeitsvermittlung
- Kollektivvertrag für das Gewerbe der
Arbeitskräfteüberlassung für Arbeiter
Beschäftigung Älterer attraktiver
- Neuregelung bei der Altersteilzeit (Entfall
der Ersatzkrafteinstellung) führt zu Erfolgsmodell
- Ausbau des Bonus-Malus-System bei
Einstellung / Kündigung Älterer
- Entfall der
Arbeitslosenversicherungsbeiträge für ältere
Arbeitnehmer (ab 56,5 bzw. 61,5 Jahren)
Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte
erleichtert
- Neuzulassung von Schlüsselkräften im
One-Stop-Shop-Verfahren
- Neu-Definition der Kriterien für ausländische
Schlüsselkräfte
- Ausdehnung der Saisonierregelung auf
andere Branchen und Beschäftigung
zwei mal sechs Monate möglich
- Einführung des
Niederlassungsnachweises
- Übertragung der Kontrolle der
illegalen Ausländerbeschäftigung und des Einsatzes
entsandter Arbeitnehmer auf die Zollbehörden
Pensionsreform: Vom Frühpensions- zum
Regelpensionsalter
- Anhebung des Frühpensionsalters um
eineinhalb Jahre
- Erhöhung der Abschläge von 2 % auf 3
% bei Frühpensionen
- Harmonisierung der Beitragssätze in
der gewerblichen Pensionsversicherung
Entlastungen für Gewerbetreibende in
der Sozialversicherung
- Halbierung der
Mindestbeitragsgrundlage in der Krankenversicherung ab
2003
- Pauschalierung der
Krankenversicherungsbeiträge für Jungunternehmer und
Neugründer: das entspricht einer Ersparnis von bis zu
291,68 pro Monat
- Um 60 % höhere Unfallrenten für
Unternehmer
- Reduzierung des
Krankenversicherungsbeitrages von 9,1 % auf 8,9 %
- Ausweitung der
Kleinstunternehmerregelung (auf Personen, die das 65. Lebensjahr
vollendet haben)
- Rahmenfristerstreckung in der
Arbeitslosenversicherung wahrt Ansprüche für Selbständige
Vereinfachungen bei der Abfuhr lohnabhängiger
Abgaben für die Dienstgeber
- Gemeinsame Prüfung aller lohnabhängigen
Abgaben (Kommunal- und Einkommensteuer sowie
Sozialversicherungsbeiträge) ab 2003 verwirklicht
- Gleichschaltung der Einzahlungstermine
von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen (Respirofrist)
- Realisierung eines gesetzlichen
Anspruches auf das Vorschreibeverfahren und Ausdehnung
auf Betriebe mit bis zu 14 Dienstnehmern
- Mehr Rechtssicherheit im Versicherungs-
und Beitragsrecht durch die Erlassung von
Sozialversicherungs-Richtlinien
Stabile Beiträge durch Reformen im
Gesundheitswesen
- Keine Beitragserhöhungen in der
Krankenversicherung unter Aufrechterhaltung des hohen
Leistungsniveaus durch Effizienzsteigerung,
Verwaltungssparen etc.
- Neuregelung des Ausgleichsfonds in der
Krankenversicherung: die Gewährung von Zuschüssen wird
an eine effiziente und effektive Verwaltung gebunden
- Einführung des Gruppenpraxenmodells
in einigen Bundesländern
- Elektronische Abrechnung bei Ärzten
ab 2003
- Einführung einer Qualitätssicherung
bei den niedergelassenen Ärzten
- Ambulanzgebühr und Rezeptgebührenerhöhung
- Wahlmöglichkeiten in der gewerblichen
Krankenversicherung erweitert
Soziale Treffsicherheit vorangetrieben
- Zusatzbeitrag in der
Krankenversicherung für Mitversicherte (Befreiung bei
Kindererziehung)
- Zusatzbeitrag in der
Krankenversicherung für öffentlich-rechtliche Pensionen
- Besteuerung der Unfallrenten und Rückerstattung
bei sozialer Härte
Organisationsreformen in der
Sozialversicherung
- Reform des Hauptverbandes: Schaffung
einer effizienten Organisationsstruktur und
Verwirklichung einer Dienstnehmer-Dienstgeber-Parität
- Einführung eines Controllingsystems
samt Balanced Score Card in der Sozialversicherung
- Fusion der
Pensionsversicherungsanstalten der Angestellten und
Arbeiter
- Ermöglichung von Public Private
Partnership-Modellen in der Sozialversicherung
- Deckelung der Verwaltungskosten bei
allen Sozialversicherungsträgern im Jahr 2003 auf dem
Niveau 1999
Verschiedene weitere arbeitsrechtliche
Änderungen
- Betriebsübergang: Dauer der Haftung
des Betriebs-Veräußerers verkürzt auf ein (bei Übergabe
von Rückstellungen) bzw. fünf Jahre
- Familienhospizkarenz: Anspruch auf bis
zu sechs Karenzmonate für Sterbebegleitung ohne
Entgeltfortzahlung
- Nachtschwerarbeit: Beitragssatz bis
Ende 2004 gesichert
EU-Sozialpolitik
- "Gleichbehandlungs-Richtlinien"
auf den Gebieten Antirassismus, sexuelle Belästigung,
Gleichstellung in Beschäftigung und Beruf erlassen
- Rahmenübereinkommen der europäischen
Sozialpartner zur Telearbeit